Es Baluard stellt ab dem 11. Dezember Skyline aus, ein Projekt des Gewinners des „Stipendium für die Produktion eines audiovisuellen Werkes DKV-EsBaluard“

Das Werk Skyline von Javier Artero kann vom 11. Dezember bis 21. Februar 2016 im Observatori des Museums von Palma besichtigt werden

Das Werk Skyline von Javier Artero, dem Gewinner des „Stipendium für die Produktion eines audiovisuellen Werkes DKV-Es Baluard 2015“, kann vom 11. Dezember 2015 bis 21. Februar 2016 im Observatori des Museums Es Baluard (Palma de Mallorca) besichtigt werden.

Aufgenommen im Hospital Marina Salud von Denia vereint Skyline perfekt die in der Ausschreibung geforderten Kriterien. Diese hatte ein Projekt vorgeschlagen, dessen Ziel die Kombination aus einem Landschaftselement und der Betrachtung der Krankenhausumgebung sein sollte. In diesem Sinne greift Skyline das Landschaftsthema in Verbindung mit dem Krankenhaus auf, welches als Raum zur Reflexion seitens der Patienten und ihrer Familien sowie des Krankenhauspersonals dargestellt wird. Javier Artero schlägt somit eine Reflexion vor, die die Wahrnehmung der Zeit und des Horizonts als Hoffnung für die Zukunft versteht.


Javier Artero. Skyline

Eine Verkettung verschiedener Innen- und Außenschauplätze auf Video führen uns in eine bestimmte Zeit und an einen bestimmten Ort. Javier Artero macht sich die Landschaft zu eigen und stellt diese in den Vordergrund des Interesses, um aus einer Vielzahl an Zeitzeugen heraus eine einzigartige Erzählung zu produzieren, in der die Ellipse der Schlüssel zum Verständnis seines Vorhabens ist. Das Landschaftsgenre gewann erst spät Relevanz in der Kunstgeschichte, die Landschaft wurde zunächst nur als Bildhintergrund verwendet, bis sie ab dem 17. Jahrhundert in Holland Eigenständigkeit gewann.


Dennoch wurde die Wertschätzung der Landschaft als ästhetisches Element dank Xie Lingyun (385–433), dem ersten Landschaftsdichter, „erfunden“. Es ist bezeichnend, dass im Chinesischen der Begriff „Landschaft“ in zwei Schriftzeichen ausgedrückt wird: shanshui, entsprechend den „Bergen“ (shan) und dem „Wasser“ (shui) als wesentlichen Elementen des Universums. Die Berge stellen eine Brücke zwischen dem Göttlichen und dem Irdischen dar, Schutz der Einsiedler, und das Wasser fließt wie der Saft, der den Tao nährt, Symbol der Metamorphose und des Wandelbaren. Diese beiden Sinogramme sind die wichtigsten Elemente der Natur, sie bilden die Grundlagen der Welterschaffung. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Landschaft in den frühen Phasen der Kunstentwicklung magische Kapazität zugeschrieben wurde, aufgrund ihrer Verbindung zu diesen Ideogrammen und schamanischen Zeremonien, die genutzt wurden, um übernatürliche Kräfte zu rufen, eine magische Umgebung, die ihren Höhepunkt im China des 10. Jahrhunderts hatte.

Die Videoarbeit von Javier Artero über das Hospital Marina Salud in Denia beruht auf der Idee der Horizontalität, angewendet auf die Vision einer natürlichen oder künstlichen Landschaft. Der Horizont stellt die Projektion des Wunsches und den Pfad der Erkenntnis für das Publikum dar, das den Spuren der verschiedenen Berichte der Zeitzeugen folgt, um letztendlich die Geschichte zu verstehen. Die Bild- und Tonaufnahmen, die während des Aufenthalts des Künstlers im Krankenhaus entstanden, verschaffen uns Einblick in die Unsicherheiten der Patienten, Besucher und Krankenhausmitarbeiter, indem sie mit der Linie des Horizonts in Verbindung gebracht werden, die durch Bereiche des Krankenhausgeländes markiert wird. Kummer und Enttäuschung, Gewissheit und Hoffnung – nichts kann schiefgehen, wenn wir noch einen (Sicht-)Punkt haben, an dem wir uns festhalten können.

Die anonyme kollektive Erfahrung steht der gegenüber, die uns die Stimmen derer näherbringt, die zugestimmt haben, an dem Projekt teilzunehmen, und die uns ihre Krankenhauserfahrung basierend auf zwei Fragestellungen, die vom Künstler hervorgehoben werden, näherbringen: warum sie im Krankenhaus sind und was der Krankenhausaufenthalt für ihre Zukunft bedeutet.

Die Orte füllen sich mit der Energie und den Erinnerungen ihrer Besucher, sie sind nicht nur vom Verfall, den das Voranschreiten der Zeit, die geomorphologischen Prozesse und der Lauf der Jahreszeiten mit sich bringen, betroffen. Die Orte sind die subjektive Konstruktion jenseits dessen, was sichtbar ist, was auf der Haut fühlbar ist.

Die Betrachtung dieser Panoramen durch die Kamera ist eine Übung der bewussten Wahrnehmung der Zeit für jeden der Protagonisten und für jeden Zuschauer als Ritual in der Gegenwart, wenn diese das einzig Fassbare und Reale ist.

„Nichts ist wie das Streicheln eines Hügels, eines Grabens, einer Schwierigkeit, die nicht nur aus Fleisch besteht, nicht die metallene Wolke vorausahnt, die die Elektrizität, die uns fehlt, in sich konzentriert“, schreibt der Dichter Vicente Aleixandre in „Pasión de la tierra“ und wir, gegenüber diesen so sauberen, perfekten Horizonten, füllen unsere Vorstellungskraft und verstehen.

Das Werk Skyline entstand auf dem Gelände des Hospital Marina Salud in Denia unter Teilnahme von Hämodialyse-Patienten während eines Aufenthalts des Künstlers im September 2015.

Javier Artero. (Melilla, 1989)

Gewinner des Stipendiums DKV-Es Baluard 2015. Nach seinem Abschluss in Kunst der Universität von Malaga (2012) setzte er sein Studium mit einem Stipendium an der Universität Passau (Deutschland) fort. Er besitzt einen Master in Kunstproduktion und -forschung der Universität von Barcelona (2014) und schreibt seine Doktorarbeit an der UMA.

Zu seinen Projekten gehört „El periplo“ (2015), ausgestellt in ELBUTRÓN (Sevilla), in der Galería Isabel Hurley (Málaga), in Art@Tell Third Edition in der Universität St. Gallen (Schweiz), und ausgewält für den I. Förderpreis für junge Kunst von Gijón. Sein Projekt „ La disección lúcida“ (2013), in Deutschland entwickelt und in der Ausstellungshalle der Fakultät der Schönen Künste in Malaga ausgestellt, wurde für den Wettbewerb der zeitgenössischen Kunst D ?MENCIA XV in Doña Mencia (Córdoba) ausgewählt.

Des Weiteren hatte er Ausstellungen in Bizkaia Aretoa (Bilbao), in der Galería Trama und der Sala Parés (Barcelona), im MAD Antequera, im CAC Málaga, auf dem Festival de Cine in Málaga, im Ausstellungssaal El Palmeral de las Sorpresas (Málaga), in IKAS ART BILBAO auf dem internationalen Videokunst-Festival LOOP Barcelona.

Er hält das Produktionsstipendium ART

Sein Werk findet sich in den Kollektionen der Stiftung Banco Sabadell, des Rathauses von Doña Mencía, der Fakultät der Schönen Künste der UMA und der Fakultät für Philosophie und Geisteswissenschaften der UMA.