Die emotionalen Aspekte der Ernährung

Der Essensvorgang an sich dient nicht allein dazu, den Hunger zu stillen, sondern hängt auch mit Gefühlen zusammen.

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Viele spüren, dass zwischen Gefühlen und der Art der Nahrungsaufnahme eine Beziehung steht. Wenig bekannt ist dagegen, dass gerade bei Kindern und Jugendlichen diese Verbindung von Essen und psychischen Aspekten häufig sehr große Bedeutung besitzt. Das Verhalten wird von Überzeugungen, Gefühlen, Motivationen und Emotionen geleitet.

Gemeint sind hier nicht affektive Aspekte rund um die Ernährung, beispielsweise soziale Werte, familiäre Vorlieben und Einstellungen oder der affektive Wert der Ernährung, sondern Verhaltensweisen, die durch eine übermäßige Nahrungsaufnahme beeinflusst werde können, durch die Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen gefördert wird. Wir beziehen uns hier auf besondere Situationen, in denen Gefühle den Einsatz von Lebensmitteln zu einem anderen Zweck als der Ernährung bestimmen können, d. h. die emotionale Verwendung von Lebensmitteln.

In einem Artikel aus dem Jahr 2013 wurden mehrere Studien geprüft und eine Beziehung zwischen Adipositas bei Kindern und Jugendlichen mit Essstörungen, dem Binge Eating mit Essattacken, dem Essen aus Langeweile, sowie dem sogenannten „emotionalen Essen“ und auch dem Nacht-Esser-Syndrom festgestellt. Daneben gibt es einschränkende Verhaltensweisen, die zunehmend bei jüngeren Kindern auftreten, und schließlich zu einer Gewichtszunahme führen und unter Umständen Essstörung auslösen können.

Situationen

Erhält das Kind zur Beruhigung ein Eis oder eine Süßigkeiten, assoziiert es später leckeres Essen mit Beruhigung und Unwohlsein. Wenn ein Kind gelangweilt ist und zum Kühlschrank geht, um etwas Gutes zu essen, „um die Lücke zu füllen“. Schokolade oder Süßigkeiten werden zur Beruhigung oder als Trost verzehrt. Wenn alles aufgegessen wurde, gibt es zur Belohnungen das Lieblings-Dessert, Eis oder Pudding, oder aber es wird bei schlechtem Benehmen vorenthalten. Gute schulische Leistungen werden mit einem Besuch im Fast-Food-Restaurant belohnt. Süßigkeiten dienen zum Vermeiden von Jammern. Alle diese Situationen „erziehen“ Kinder dazu, Lebensmittel und Essen mit Gefühlen zu assoziieren. Langfristig können sie eventuell zu einer übermäßigen Nahrungsaufnahme führen.

Die Arten übermäßiger Nahrungsaufnahme gemäß ihrer Beziehung zu Gefühlen:

  • Die Überfütterung: In diesem Bereich gibt es verschiedene Verhaltensweisen des übermäßigen Essens, die oft unbewusst ablaufen, da sie durch familiäre Gewohnheiten erworben sein können, oder auch, wenn durch Lebensmitteleinnahme Langeweile bekämpft werden soll.
  • Emotionales Essen: Essen als Reaktion auf emotionale Erregungszustände wie Angst, Frustration, Wut oder Angst.
  • Essen außer Haus: Essen als Reaktion auf externe Lebensmittelkennzeichen wie Anblick und Geruch von Lebensmitteln oder anderen Menschen beim Essen zusehen im Zusammenhang mit Impulsivität.
  • Nahrungsentzug: Verhaltenskontrolle oder das Auslassen von Mahlzeiten, um eine Gewichtszunahme zu verhindern. Wird zunehmend bei vorpubertären Kindern beobachtet.
  • Die Essstörung Binge Eating Unkontrolliertes Essverhalten wird zunehmen als Pathologie erachtet.
  • Die Esssucht: Sie tritt seltener bei Kindern auf und besteht darin, durch genussvolle Lebensmittel eine Belohnung zu erhalten. Es entwickelt sich ein zwanghaftes Wiederholungsverhalten.

Die Beziehung zwischen Ernährung und Gefühlen wird von Geburt an angelegt und besteht während des ganzen Lebens:

  • Die Stillzeit und die Mutter-Kind-Bindung als feste affektive Bindung
  • Die angemessene Aufnahme zusätzlicher Lebensmittel und das schrittweise Erlernen neuer Aromen (Lebensmittel-Neophobie)
  • Die Steuerung von Hunger und Sättigung (Die Selbstregulierung der Energiezufuhr)
  • Die Atmosphäre und der Sozialisationsprozess über das Essen in der Kindheit (Essen als Belohnung, Drohungen, Strafen;)
  • Kulturelles Erbe, die Vermittlung von kulturellen und familiären Einstellungen bezüglich der Ernährung
  • Essen als Hilfsmittel zur Linderung von emotionalem Stress
  • Die Jugend als Bestätigung anhand der Kontrolle über den eigenen Körper
  • Die Sozialisierung im Erwachsenenalter und das Erlernen kulinarischen Genusses

Es ist wichtig, dass Eltern sich bei der Erziehung ihrer Kinder dieser unterschiedlichen Situationen bewusst sind, um von Anfang an gesunde Ernährungsgewohnheiten anzulegen.

Die Ziele eines gesunden Verhaltens

  • Unregelmäßige Essenszeiten mit spontan ergriffenen Regelungen sowie der Erwerb von Lebensmittel mit hohem Energiegehalt, d. h. ein Lebensstil mit erschwerter Planung der Mahlzeiten, sollte unbedingt vermieden werden.
  • Achten Sie auf die Portionsgrößen (mangelnde Wahrnehmung des Sättigungssignals). Zu große Portionen führen zu einer übermäßigen Kalorienaufnahme.
  • Die Kontrolle „hedonistischen“ Essens mit einer fehlenden Kontrolle der Nahrungsaufnahme. Es wird aus Vergnügen und ohne Hunger gegessen.
  • Vermeiden Sie die Nahrungsaufnahme um Angstzustände oder Stress abzubauen und Wohlbefinden herzustellen oder als Belohnung, um das Kind bei Trauer, Wut oder Langeweile zu trösten (ausgleichendes Essen).
  • Setzen Sie Lebensmittel nicht als Belohnung oder Preis ein, verbieten Sie schmackhafte Speisen nicht als Bestrafung, denn das führt nur zu einer gesteigerten Esslust.

Praktische Maßnahmen für Familien

  • Machen Sie aus den Mahlzeiten ein angenehmes Erlebnis. Genießen Sie die Familienbeziehung während der Mahlzeit, nehmen Sie sich Zeit für das Gespräch in der Familie.
  • Gehen Sie mit gutem Beispiel voran: Bringen Sie Ihren Kindern bewusstes und langsames Essen bei, bei dem sie sich mit allen Sinnen auf die Nahrungsaufnahme konzentrieren, um herauszufinden, was ihnen schmeckt und was nicht. Sprechen Sie über Ihre Eindrücke und Vorlieben.
  • Setzen Sie keine kalorienreichen Nahrungsmittel als Belohnung oder Auszeichnung ein, und verwenden Sie kein Obst und Gemüse (oder andere gesunde Lebensmittel) als Strafe.
  • Bei emotionalem Essen: Bringen Sie Ihren Kindern bei, sich ihrer Gefühle, Stimmungen und Wünsche, die Unwohlsein auslösen (Zorn, Wut, Trauer) bewusst zu werden, diese klar zu erkennen und von Hunger zu unterscheiden.
  • Lehren Sie die Kinder, die eigenen Gefühle zu akzeptieren und über sie zu sprechen, statt sich mit Essen zu beruhigen, andere Mittel zu suchen, um sich besser zu fühlen, z. B. Tanzen, Zeichnen oder Spazierengehen.
  • Kinder, die sich von sensorischen Reizen aus der Umgebung leiten lassen: Zeigen Sie ihnen, dass sie keinen Hunger haben, bringen Sie ihnen bei, unkontrolliertes Verhalten und ihre Impulse zu kontrollieren, vermeiden Sie, dass die Kinder bestimmten Reizen, die einen Essimpuls auslösen, ausgesetzt werden.
  • Verbieten Sie nicht einfach bestimmte Lebensmittel: Verbote haben eine gegenteilige Wirkung und stäken die Vorliebe des Kindes für bestimmte Lebensmittel nur noch.
  • Kinder und Jugendliche, die die Nahrungsaufnahme einschränken, um das Gewicht zu kontrollieren: Finden Sie andere Möglichkeiten, das Selbstwertgefühl zu stärken, beispielsweise Freizeitbetätigungen (künstlerischer, sportlicher oder sozialer Art), in denen das Kind Begabungen aufweist.
  • Es ist wichtig, vorpubertären Kindern oder Jugendlichen zu helfen, ihren Körper und ihre Figur zu akzeptieren und ihnen bewusst zu machen, dass es andere wichtigere Werte als das Aussehen gibt. Vermitteln Sie einen kritischen Blick auf die herrschenden Schönheitsideale.
  • Versuchen Sie, fünf Mahlzeiten pro Tag einzuhalten, lassen Sie das Frühstück oder das Abendessen nicht aus, um eine „Gewichtszunahme zu vermeiden“. Halten Sie einen Zeitplan für die Mahlzeiten ein, vermeiden Sie Unregelmäßigkeiten und planen Sie den Tagesablauf.